September 2012: Frauen für Energie feiern 30-jähriges Bestehen
Über 70 Personen haben am 22. September 2012 in der Messe Zürich das dreissigjährige Bestehen der Frauen für Energie (FFE) gefeiert. Energieministerin Doris Leuthard hielt die Jubiläumsansprache, in der sie den vom Bundesrat beschlossenen Ausstieg aus der Kernenergie verteidigte. In der anschliessenden Diskussion sowie in den Referaten der Präsidentin Esther Egger und der Gründungspräsidentin der FFE, Irene Aegerter, wurden hingegen kritische Töne an der Energiestrategie 2050 geäussert. FFE wollen Frauen informieren und für energiepolitische Themen sensibilisieren – dafür stehen die Frauen für Energie seit dreissig Jahren.
FFE wollen Frauen sensibilisieren und informieren
Alt Nationalrätin und Präsidentin der FFE, Esther Egger, zeigte in ihrem Begrüssungsreferat auf, was sich die FFE zur Aufgabe gemacht haben: „In erster Linie will der Verein sensibilisieren und Bürgerinnen sowie Bürger informieren. Frauen sollen sich ihre eigene Meinung bilden und die Energiepolitik aktiv mitgestalten.“ Die FFE setzen sich für eine sichere, klimafreundliche und wirtschaftliche Stromversorgung ein. Die Förderung der Energieeffizienz, ein umweltfreundlicher Energiemix sowie die Unabhängigkeit vom Ausland seien den FFE ein Anliegen. In diesem Sinne seien die FFE offen für die Kernenergie wie auch für erneuerbare Energien. Einen überstürzten Ausstieg aus der Kernenergie erachten sie jedoch als unrealistisch und als klimapolitische unverantwortbar. Die Präsidentin wies darauf hin, dass eine Energiewende ein fundamentales Umdenken der Schweizer Bevölkerung bräuchte. Dazu gehöre, alle Konsequenzen zu kennen und darüber befinden zu können. Esther Egger dankte der Bundesrätin Doris Leuthard für ihr Kommen und fügte an „Wir sind gespannt auf die Gesetzesvorlage des Bundesrats und werden uns diese genau anschauen.“
Jeder hat die Möglichkeit, sich einzubringen
Die Energieministerin kündete in ihrem Referat einleitend an, dass der Bundesrat die Gesetzesvorlagen „in Kürze“ in die Vernehmlassung schicken wird. Der umstrittenste Punkt werde dabei die Kostenfrage sein. Leuthard argumentierte, dass der Ausstieg aus der Kernenergie dreissig Milliarden Schweizer Franken kosten werde. Das Festhalten an der Kernenergie käme jedoch langfristig ebenso teuer zu stehen – berechne man die Risiken mit ein. Zudem müssten die Übertragungsnetzte ohnehin erneuert und ausgebaut werden. Die Schweizer Bevölkerung müsste mit einer Erhöhung der Strompreise von zwanzig bis dreissig Prozent rechnen, was zu verkraften sei. Schwieriger sei es für die stromintensiven Betriebe, für diese werde nach Lösungen gesucht. Doris Leuthard ist überzeugt, dass sich die Energiestrategie 2050 umsetzen lässt, sofern alle ihren Teil dazu beitragen. In den nächsten Tagen wird der Bundesrat die Umsetzung auf Gesetzesebene bekannt geben. Jedermann könne sich anschliessend in den viermonatigen Vernehmlassungsprozess einbringen, ermunterte Leuthard.
Kritische Fragen an die Energieministerin
Verschiedene Anwesende nutzten anschliessend die Möglichkeit, Bundesrätin Doris Leuthard Fragen zur Energiestrategie 2050 zu stellen oder Kommentare abzugeben. Ein Teilnehmer äusserte sein Unverständnis darüber, dass sich der Bundesrat nicht an Ländern wie Frankreich orientiere, die in die Kernkraft investieren. Vor den Vorfällen in Fukushima hätten dreiundvierzig Staaten Nuklearprojekte durchgeführt, heute seien es deren sechzig. Eine weitere Teilnehmerin brachte ihre Bedenken zum Ausdruck, dass die Versorgungssicherheit gewährleistet sei, wenn vierzig Prozent der heutigen Energie aus Kernkraft ersetzt werden müsse: „Erneuerbare Energien sind nicht steuerbar und werden es nie sein“. Eine Teilnehmerin wies darauf hin, dass der Unfall in Fukushima auf die nicht nachgerüsteten Kernkraftwerke zurückzuführen sei, diejenigen der Schweiz seien hingegen sicher und produzieren zuverlässig Strom: „Die erneuerbaren Energien basieren auf dem Prinzip Hoffnung“. Dem entgegnete Doris Leuthard, dass es allein im Ermessen der Betreiber sei, ein Kraftwerk nachzurüsten. Mit herzlicher Akklamation wurde die Bundesrätin verabschiedet.
FFE: Heute die gleichen Themen wie damals
Gründungspräsidentin Irene Aegerter hielt in ihrem Referat Rückblick und liess die Geschichte der FFE repassieren. Der Verein sei mit der Absicht gegründet worden, Frauen mit Informationen zu bedienen, damit diese eigene, fundierte Entscheide treffen können. „Es musste damals wie heute berücksichtigt werden, dass Frauen anders funktionieren als Männer: sie denken immer an die Zukunft, an ihre Kinder und Enkelkinder“, erklärte sie. Das Thema Entsorgung habe die Frauen schon vor dreissig Jahren beschäftigt. Und schon damals ging es darum, den Frauen verständlich aufzuzeigen, dass Radioaktivität Bestandteil der Erde und unseres Lebens ist. „Wir haben vor dreissig Jahren die gleichen Diskussionen geführt wie heute. Es ist den FFE immer darum gegangen, über Vor- und Nachteile aller Energieträger zu diskutieren“, erklärte Aegerter. Nur wer über Informationen verfüge, könne entscheiden, welche Energiepolitik er wolle. In diesem Sinne dankte Irene Aegerter der heutigen Präsidentin Esther Egger für ihre Arbeit in einem nicht einfacher gewordenen Umfeld.
Ehrung der bisherigen Präsidentinnen
Esther Egger dankte ihrerseits allen bisherigen Präsidentinnen der FFE für ihr Wirken in den letzten dreissig Jahren. Irene Aegerter, Janine Isler, Katharina Lauterburg-Schnyder, Gabriele Plüss, der verstorbenen Trudy Ritschard sowie Barbara Wohlwend - sie alle hätten grosses Engagement für die immer gleichen Anliegen in einem nicht immer gleichen Umfeld gezeigt. Ein grosses Dankeschön widmete die Präsidentin allen Frauen, die sich für FFE heute noch intensiv engagieren.
Grussadressen an die FFE
Am Ende der Veranstaltung richteten Helena Lohner, Präsidentin von Women in Nuclear Schweiz sowie Konrad Studerus, Vizepräsident der Aves, eine Grussadresse an die FFE. Beide verdankten die geleistete Arbeit des Vereins und betonten deren Bedeutung gerade in der heutigen Zeit. Das abschliessende Schlusswort kam von Monika Ruh, Vorstandsmitglied der FFE. Sie dankte der Präsidentin Esther Egger für ihr Engagement und ihre klare Haltung.
Besichtigung der Sonderausstellung TIME RIDE der Nagra
Im Anschluss an die Festreden wurde im ungezwungenen, gemütlichen Rahmen auf die Zukunft des FFE angestossen. Die anwesenden Gäste wurden mit der Ausstellung „TIME RIDE“ der Nagra auf eine interessante Reise geschickt. Auf der spektakulären Fahrt ins Erdinnere werden verschiedene Phasen der Erdgeschichte durchfahren. Dabei erfährt der Besucher auf eindrückliche Weise mehr über Herkunft und Eigenschaft des Opalinustons, in dem einst die radioaktiven Abfälle gelagert werden sollen – ein Erlebnis für Gross und Klein. Der TIME RIDE ist noch bis zum 30. September 2012 an der Züspa zu sehen.




